Mini Storys

Hier findet ihr meine „Schulranzengeschichten“.

Diese Mini-Storys für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter sind eine Idee von  https://www.instagram.com/pete.emig. und dem Schulranzenteam. https://www.instagram.com/emig.schulranzenteam/

Nach und nach erhalten ganz viele Schulranzen passende Minigeschichten, die die Kinder beim Start in die Schule begleiten sollen. Ich hoffe, dass euch die kleinen Abenteuer gefallen. Viel Spaß beim Lesen und Vorlesen.


Chamäleons haben lange Zungen, einen Greifschwanz zum Klettern und das Talent, die Augen unabhängig voneinander zu bewegen. Auch Leonie, das Chamäleonmädchen, schafft das. Aber es gibt eine Sache, die gelingt Leonie nicht: Ihre Hautfarbe zu wechseln. Das tun Chamäleons, um sich vor Feinden zu verstecken oder zu zeigen, was sie fühlen. Doch Leonies Schuppen haben immer die gleiche Farbe. Manchmal, wenn die Chamäleonkinder lachend ihre Hautfarben wechseln und Leonie nicht mitmachen kann, ist sie sehr traurig.

Eines Tages hört sie ein leises Weinen. »Hast du das gehört?«, fragt sie ihren Klassenkameraden, doch der schüttelt den Kopf. Leonie aber hört es deutlich, genau wie ein Knacken. Sie steht auf und tippelt ans Fenster der Baumechsenschule. Von dort aus sieht sie ein kleines Chamäleon, das ganz oben in einem Baum auf einem dünnen Ast sitzt und nicht mehr hinunter kommt. Schnell klettert Leonie aus dem Klassenzimmer und den anderen Baum hinauf. Sie nimmt das Chamäleon in den Arm, bevor der Ast bricht und hinunterfällt. Das Kleine klammert sich an Leonies Rücken und zusammen steigen sie hinunter. Die ganze Klasse hat sich um sie herum versammelt. Alle klatschen. Leonie ist eine Heldin. »Wie hast du das nur gemacht? Wir hören doch so schlecht«, fragt ein Kind. Leonie zuckt die Schultern. Ja, Chamäleons haben schlechte Ohren, doch Leonie kann sogar die Schmetterlinge flüstern hören. Sie lächelt und ist stolz auf sich. Und als sie sich an einer Wurzel zurück ins Schulbaumhaus zieht, fangen ihre Rückenschuppen an rot zu leuchten.

Text: (c) Stefanie Bender

Heute ist Jaro der junge Feuerdrache schlecht gelaunt. Er hat keine Lust zu spielen und sitzt alleine im Sand und tritt wütend nach seinem Schulranzen. Lilo, das Drachenmädchen kommt zu ihm und fragt:
»Was ist denn los mit dir Jaro?«

»Das weißt du doch. Vorhin im Feuerunterricht habe ich es nicht geschafft, eine Flamme zu pusten und das Holz anzuzünden«, antwortet Jaro.
»Sei nicht traurig, Jaro. Du schaffst das auch noch«, tröstet sie ihn.
»Nein, werde ich nicht. Ich kann doch nur Feuerpusten, wenn ich lache und fröhlich bin. Wenn ich mich aber konzentrieren muss und alle zuschauen, dann klappt es einfach nicht. Ich schaff das nicht, nicht allein – niemals!«
Lilo schaut Jaro an und grübelt darüber nach, wie sie ihm helfen kann. Und plötzlich fällt ihr etwas ein. »Wenn du es nicht alleine schaffst, dann schaffen wir es eben zusammen.« »Wie soll das gehen?«, fragt Jaro.
»Zeig ich dir morgen«, sagt das Drachenmädchen und rennt zu den anderen Drachenkindern.

Am nächsten Morgen steht Jaro vor der Klasse und soll einen Ast zum Brennen bringen. Er versucht es einmal, zweimal, aber es klappt nicht. Als aufgeben will, fängt Bruno, der Drachenjunge in der hinteren Reihe an zu lachen – doch nicht über ihn! Er lacht über Lilo, die Grimassen schneidet. Und nach und nach lacht die ganze Klasse. Das Lachen ist so ansteckend, dass auch Jaro lachen muss. Da – auf einmal fühlt er ein Kribbeln in den Nüstern und ein Kratzen im Hals. Dann holt er tief Luft und pustet eine Flamme heraus: Der Ast brennt. Jaro hat es geschafft.

Und wenn er das nächste Mal vor der Klasse steht, wird er an das Lachen von heute denken und das Feuer kommt von ganz alleine.

Text: (c) Stefanie Bender

Fiona macht Mut

Hast du schon einmal von einer Wolke genascht? Sie schmecken wie Zuckerwatte mit Karamell, Erdbeeren oder Zitronen. Fiona, das Windeinhorn, liebt besonders die, die nach Zitronen schmecken. Sie sind so sauer, dass sie sich schütteln muss. Wenn sie das tut, fliegen ihre rosafarbenen Punkte aus ihrer Mähne und dem Schweif in alle Richtungen davon. Dann ruft Fiona: »Los, ihr Pünktchen, kommt zurück.« Und schon trägt der Wind sie wieder herbei und Fiona strahlt in bunten Farben. An diesem Morgen bekommt sie Besuch von der kleinen Regina. Ein Einhorn mit bunten Flügeln. »Oh Fiona«, sagt es zu ihr, »Wenn ich doch auch einmal die Zitronenwolken kosten könnte.«
»Warum tust du es nicht?«, fragt Fiona.
»Aber Fiona, wenn ich mich dann schüttele und meine Farben davonfliegen, was mache ich dann nur?«
»Dann rufst du deine Farben zurück. Der Wind wird dir helfen.«
»Sowas habe ich noch nie gemacht«, sagt Regina traurig, »Was wird sein, wenn sie nicht zurückkommen? Dann bin ich farblos.« Da flüstert das Windeinhorn ihr ins Ohr:
»Was, glaubst du, wird geschehen, wenn du es doch schaffst?«
»Dann wäre ich stolz auf mich, denn ich hätte eine Begabung, so wie du.« Fiona lächelt. »Und auch für mich war es irgendwann das erste Mal, dass ich meine Farben zurückgerufen habe. Manchmal muss man mutig sein, um zu begreifen, was in einem steckt.« Da steht Regina auf, stellt sich in den Wind und nascht an einer Zitronenwolke, die so sauer ist, dass sie sich schütteln muss. All ihre bunten Farben flattern aus ihren Flügeln hinaus und sie ruft ihnen nach: »Los, ihr Farben, kommt zurück.«
Und der Wind trägt sie herbei, wo sie sich zurück in die Federn ihrer Flügel legen.
Regina ist sehr stolz auf sich.

Text: (c) Stefani Bender

Hast du dich schon einmal gefragt, ob es ein Leben auf anderen Planeten gibt? Wir haben lange nicht daran geglaubt, doch dann trafen wir Ben und Juli. Sie machen ab und an auf der Erde Urlaub, da es bei ihnen zu Hause keine Berge und auch keine Seen gibt. Und immer wenn wir uns treffen, erzählen sie uns von neuen galaktischen Abenteuern.

Doch, wer sind Ben und Juli überhaupt?

Ben ist 9 Jahre alt und liebt Bücher. Für die Menschen auf Glitteria sind gedruckte Bücher etwas Besonderes, denn sie stammen von der Erde, wo ihre Vorfahren herkommen. Jeden Tag steckt Ben seine Nase in spannende Abenteuer und lässt sich von ihnen verzaubern. Seine Zwillingsschwester Juli hingegen zieht sich lieber ein Prinzessinnenkleid an und kämpft mit ihrem Lichtschwert gegen sabbernde Monster. Oft ist Ben genervt, weil Juli beim Spielen so laut ist, dass er sich nicht auf sein Buch konzentrieren kann. Dann schimpft er, Juli lacht und sie fangen an zu streiten.

Eines Tages, als sich die Geschwister mal wieder zanken, geschieht etwas Seltsames. Bens Buch erwacht zum Leben. Es beginnt zu vibrieren, zu wackeln und zu leuchten. Es wackelt so doll, dass es von seinem schwebenden Bett auf den Boden poltert. Es macht laut *puff*. Staub und Glitzer verteilen sich im Kinderzimmer. Ben und Juli landen vor Schreck auf ihren Popos und starren das Männlein an, das plötzlich auf dem Teppich vor ihnen sitzt.

Das Buch hat einen kleinen Mann mit langem weißen Bart ausgespuckt. Er trägt einen spitzen blauen Hut, auf dem viele gelbe Sterne zu sehen sind. Die Geschwister starren ihn so lange an, bis er fragt: »Was guckt ihr denn so? Habt ihr noch nie einen Sternenfänger gesehen?« Die Kinder schütteln die Köpfe.

»Hm«, macht das Männlein, »Na ja, ich bin ja auch der einzige Sternenfänger, den es gibt. Aber egal. Ben, ich brauche deine Hilfe!«

Ben und Juli sind so überrascht, dass sie noch immer nichts sagen. Gerade als Juli ihre Sprache wiederfindet, tippelt etwas an ihr vorbei und stellt sich neben den Sternenfänger, stemmt die Hände in die Hüften und mault: »Du stellst dich mal schön hinten an, ich war zuerst hier.«

»Warst du gar nicht!«, schimpft das Männlein.

»War ich wohl!«, sagt das kleine, grüne Monster mit der Knollennase und den drei Augen. Es streckt dem Männlein frech die Zunge heraus, dann dreht es sich zu den Kindern um. »Juli? Ich brauche deine Hilfe.«

Was? Beide Wesen fragen nach Hilfe von Juli und Ben? Doch wie sollen zwei Kinder vom Planeten Glitteria einem Sternenfänger und einem Monsterchen helfen und vor allem bei was?

Text: (c) Stefani Bender